Argentinien analog!

Argentinien analog!

Materialbeschaffung für die Analogfotografie in Buenos Aires

Weit weg von zu Hause möchte man seine Leidenschaften nicht missen. So habe ich meine kleine, feine Isolette von AGFA mitgenommen. Was ich an dieser Kamera so liebe ist das flache Design, wenn sie zusammen geklappt ist. So passt sie in fast jede Hosentasche. Beim drücken des magischen Knopfs klappt der Frontteil der Kamera runter und der Balg entfaltet sich. Ein Wow-Effekt für so manch einen Passanten. Einige 120er Rollfilme habe ich ebenfalls mitgenommen und das Werkzeug um die Filme zu entwickeln. Auf die Chemie habe ich bewusst verzichtet. Denn die Challenge mich in Buenos Aires auf die Suche nach Entwickler und Co. zu machen wollte ich mir nicht vor enthalten…

Der Kaffee sollte es richten…

Aufgrund der wirtschaftlichen Situation in Argentinien, präzise wegen dem Im- und Export Embargo das die Regierung Kirchner erliess, konnte man nicht einfach in jedem Fotoladen die Chemie für analoge Fotografie auftreiben. Allgemein scheint puristische analoge Fotografie in der Kunstszene von BNegativuenos Aires eher eine Mauerblümchen Existenz zu fristen. Lieber widmet man sich hier in diversen Fotoschulen der digitalen Fotografie. So war dann auch meine erste Idee auf das alt bewährte Caffenol zu setzten, diese kuriose Entwicklermischung die man sich aus leicht erhältlichen Haushaltsprodukten selber zusammen stellen kann. Billiger Instant Kaffee aus dem Supermarkt, Soda und Vitamin C aus der Apotheke und eine Laden und Fixiersalz hatte ich vorsorglich dann doch noch eingepackt. Nichts leichter als das, dachte ich! Doch bereits nach dem besorgen des Instantkaffees erwies sich die Operation als ungeahnt schwierig. Beim Vitamin C wurden mir durchwegs nur Ascorbinsäure haltige Brausetabletten feilgeboten und Natriumcarbonat, einfaches Waschsoda, kannte man hier gar nicht. Stattdessen offerierte man mir das Bicarbonat, was aber für meine Zwecke untauglich war.

Der Griff zur Hausmarke

Nach rund zehn erfolglosen Apothekenbesuchen und zwanzig weiteren Tipps wo man das Zeug vielleicht bekommen könnte machte ich mich auf die Suche im Internet nach einem Chemikalienfachhandel. Diese gab es dann auch und sicherlich wäre es möglich gewesen über mehr oder weniger lange Umwege an die Chemikalien zu kommen. Wäre ich da nicht über die Seite des Centro Mayorista in der Calle Libertad gestossen. http://www.centromayoristafoto.com.ar/
Dort konnte ich mich mit den benötigten Artikeln eindecken. Die Auswahl war allerdings nicht so gross wie man es sich aus europäischen Shops gewohnt ist. Die gängigen Ilford und Kodak (ja, hier noch existent!) Produkte waren vorhanden. Den grösseren Teil des Sortiments, zumindest von der chemischen Seite her, machte die nationale Marke Romek aus. diverse Entwickler, Fixierer und Stoppbad aus argentinischer Produktion. Da war meine Neugier nicht zu zügeln und ich erwarb einen Fixierer und zwei Entwickler der “Hausmarke”. Gespannt wie sich die Chemie in der Praxis anstellen möge, belichtete ich sogleich ein paar Filme in der Stadt, welcher es an Motiven nicht mangelt.

Wage Angaben

Beim ersten Blick auf die Flasche des Entwickler viel mir auf dass die Angaben zur Entwicklungszeit ziemlich wage angesetzt waren. Filmempfindlichkeit: 400 ISO, Entwicklungszeit: 12-14 min bei einer 1+3 Verdünnung und 20°C. Auf den Luxus Zeiten zu verschiedenen Filmtypen anzugeben wurde definitiv verzichtet. Immerhin, der Pulver Entwickler R76 von Romek entpuppte sich als ein Nachbau vom beliebten Kodak D-76 Entwickler. Somit konnte ich wenigsten mit diesem Entwickler etwas genauere Zeiten fahren. Doch eigentlich war die ganze Entwicklerei sowieso von meinem Bachgefühl geprägt. Natürlich hätte ich das Thermometer zu Hause vergessen und konnte so die Temperatur/Entwicklungszeit Kompensation nur gemäss Pi mal Daumen machen. Also, Entwickler mit destilliertem Wasser von der Tankstelle angesetzt, kurz überlegt – 400er Film bei rund 24°C Entwicklungstemperatur ergibt so gute 10 Minuten und ab in die Suppe! Das Resultat war durchaus erträglich. Nur gerade einen Film hatte ich unübersehbar überentwickelt. Der Entwickler tut seine Arbeit und liefert gute Resultate. Für Perfektionisten ist er aber eher weniger geeignet. Die könnten sich bei der ganzen Schätzerei über Entwicklungszeiten und Temperaturen etwas verloren fühlen. Für Experimentierfreudige, “Hau drauf” Analogiker und Kleckerlaboranten ist die Arbeit mit den Romek Produkten eine Freude. Ungeschliffen und ohne Tüpflischiisserei, so wie das Leben in Agentinien , so zeigt sich auch der Entwickler von Romek. Ich glaube, ich nehm mir noch ein, zwei Fläschchen davon mit nach Hause. Dem einen der Wein, dem andern… Na prost dann!

 _DSC9190 Positiv revelador