Che boludo! Ein Schweizer in Argentinien, qué quilombo!

Che boludo! Ein Schweizer in Argentinien, qué quilombo!

Nach drei Wochen Buenos Aires im April bin ich nun schon das zweite mal in Argentinien zu besuch. Dieses Mal verbringe ich zusammen mit meiner argentinischen Freundin ganze zwei Monate im Land. “Buenos Aires ist nicht Argentinien!”, hat man mir das letzte Mal gesagt. Was das wirklich bedeutet konnte ich mir damals nicht so richtig vorstellen.

So hat mir die Metropole am Rio de la Plata, dem schlammig braunen Fluss der an seiner Mündung in den Atlantik eine stattliche Breite von 200 km erreicht, gut gefallen. Sauber und aufgeräumt zeigt sich die Stadt. Kultur, Kunst und Nostalgie haben hier einen sehr grossen Stellenwert. Die Bewohner sind durchwegs sehr freundlich und einem wohlgesinnt. Sie sind generell an vielem interessiert und lassen sich nur zu gerne auf einen Small Talk ein. Es wird viel gepützelt, repariert und organisiert in der Stadt. Die Obdachlosen und Bettler sind zwar nicht zu übersehen, doch hält sich die Häufigkeit der Sichtungen in Grenzen. Man wird nicht ständig angequatscht und um Geld angebettelt, wie in Afrika. Ok, hier falle ich als blonder, blauäugiger Schweizer nicht ganz so auf wie in Afrika.

Trotzdem, irgendwie werde ich den Tourilook einfach nicht los. Mit langen, eng anliegenden Hosen, einem kurzen Hemd und keinerlei Acessoires wie Hut oder Sonnenbrille würde ich dem Idealbild eines Portegnos, wie sich die Bewohner von Buenos Aires gerne nennen, wohl am nächsten kommen. Nur mag ich keine langen Hosen bei schwül-heissem Wetter tragen, Hemden mag ich auch nicht so und ohne Sonnenbrille und Käppi kriege ich einen roten Kopf, brennende Augen und Kopfschmerzen. So bleibe ich halt vorläufig der Tourist und unterziehe mich der Transformation zum Portegnito entsprechend langsam.

Transformation ist auch das Stichwort der vergangenen und vor allem zukünftigen Tage. Seit dem erst kürzlich vollzogenen Regierungswechsel in Argentinien hat sich einiges verändert. In kürzester Zeit ist die Blockade des Dollars aufgehoben worden, Import und Export soll demnächst frei von Einschränkungen möglich sein und überhaupt soll sich vieles in den nächsten Wochen und Monaten verändern. Zum Guten, so hoffe ich. Aber darüber berichte ich in einem anderen Blogpost.

Buenos Aires ist nicht Argentinien. Die habe ich auf unserem ersten Roadtrip nach Mar del Plata sprichwörtlich erfahren. Für Dalia, meine argentinische Freundin, war es übrigens auch eine Premiere ihr Heimatland auf rollenden Rädern zu erkunden. Wer über genügend finanzielle Mittel verfügt, der fliegt in Argentinien zu den Touristendestinationen wie Mar del Plata, Bariloche, Iguazu, Cordoba, Mendoza, Ushuaia usw. Dabei spart man Zeit, gewisse Strapazen (sofern man das Einchecken für einem voll besetzten Flug in der Hochsaison nicht als strapaziös bezeichnet) und jede Menge gefahrener Kilometer auf schnurgeraden Strassen. Doch das wahre Argentinen erfährt man, eben, fahrend. Stück für Stück, in erträglichen Portionen à 400 km pro Tag. Und dabei erlebt man das wirkliche Argentinien. Ich bin gespannt auf diese Land, welches mit fantastischen Naturschönheiten, endlosen Weiten, freundlichen Menschen und vielem mehr lockt. Mögen die guten Seiten des Landes überwiegen und unseren Wegesrand zieren. Mehr dazu ebenfalls in den nächsten Blogbeiträgen.